wieder realistische %-Werte
Mit Lenovo Vantage den Akku vom ThinkPad kalibrieren
Mit der proprietären Software „Vantage“ von Lenovo lässt sich bei vielen ThinkPads nicht nur das Aufladen früher stoppen, sondern auch recht elegant erreichen, dass die tatsächliche Kapazität des Akkus vom Betriebssystem wieder korrekt registriert wird. In diesem Beitrag demonstriere ich das Vorgehen hierzu genauer.
Ich hatte mir vor einiger Zeit wieder einmal einen ThinkPad von Lenovo gekauft – wie immer refurbished, also gebraucht und in sehr gutem Zustand. Bei diesen Geräten lohnt sich dies meiner Erfahrung nach. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Der integrierte Akku des Laptops überraschte mich mit einer noch ordentlichen Laufzeit – aber dann ➜ immer bei einem Ladezustand von ca. 30%, fiel der Zustand abrupt auf ca. 5% und Windows blendete sofort eine Warnung ein. Ein typisches Zeichen dafür, dass das Betriebssystem schlecht über den Akku bzw. dessen tatsächlichen Ladezustand informiert ist: Der Akku müsste nun also „kalibriert“ werden.
Manuell geht dies, indem man ihn voll auflädt, leer laufen lässt, wieder auflädt, den Laptop dazwischen ausschaltet, einschaltet – ein Hin-und-Her. Eine Anleitung hierzu findet sich z. B. hier. Mit der offiziellen Software Vantage von Lenovo geht dies jedoch geführt, schonender und eleganter:

Detail-Ausschnitt von Vantage
Mit Lenovo Vantage kann man nicht nur Schwellenwerte für das Aufladen definieren (um den Akku generell zu schonen), sondern den ›Akkuzustandsanzeiger zurücksetzen‹. Vantage kann man sich ganz einfach als „App“ über den Microsoft-Store installieren. Dieses Programm besteht zur Hälfte aus Werbung bzw. aus der typischen Angstmache (Viren, Würmer und Trojaner) und aus Verkaufsangeboten. Aber für das Akku-Management ist es eine sehr sinnvolle App (nur dafür nutze ich sie).
Und so läuft der Vorgang ab: Man öffnet zunächst Vantage und geht in die Stromversorgung-Optionen. Das Ladegerät muss angeschlossen sein. Jegliche anderen Programme sollte man schließen. Man klickt dann auf Zurücksetzen.
- Als erstes wird das ThinkPad gemächlich aufgeladen – bis auf 100%. Eventuell definierte Schwellenwerte (Laden nur bis 80%) werden dabei nicht berücksichtigt. Ferner wird hierbei das Windows-Energie-Management (Bildschirm ausschalten, in Ruhemodus gehen, …) ebenfalls übersteuert bzw. wird nicht berücksichtigt. Man muss so etwas also nicht manuell deaktivieren. Der Bildschirm bzw. das Notebook bleibt einfach an.
- Bei 100% stoppt das Aufladen. Das Ladegerät darf jedoch nicht entfernt werden. Nach einiger Zeit wird man merken, wie der Wert der Windows-Ladeanzeige wieder sinkt. Auch hierbei ist der Bildschirm weiterhin an. Wer Angst vor einem „Einbrennen“ hat, kann zwischendurch vielleicht kurz den Desktop anzeigen lassen und danach die Vantage-App wieder in den Vordergrund holen. Doch bei modernen Bildschirmen sollte dies nicht nötig sein. Dieser Vorgang dauert besonders lange – insbesondere wenn der Akku eigentlich noch im guten Zustand ist bzw. weiterhin eine eigentlich hohe Kapazität aufweist. Nach einigen Stunden erreichte der Zustandsanzeiger bei mir dann die 30% und hier verweilte er dann auch für ca. eine Stunde. Erst danach ging es wieder langsam Schritt für Schritt weiter nach unten.
Ich schätze, man sollte das Entladen nicht mittels Prozessorlast beschleunigen. Alles sollte ruhig und realistisch ablaufen bzw. es sollte kein anderes Programm nebenbei laufen. Diese Zeit sollte man sich nehmen. - Kurz vor 0% bekommt der Akku nun plötzlich wieder Strom und das Spiel beginnt erneut: Das ThinkPad wird wieder auf 100% geladen. Dann etwas warten und endlich erscheint die Meldung, dass der Vorgang abgeschlossen ist.
Am Ende erhält man auch einen neuen Akku-Zustandsbericht innerhalb von Lenovo Vantage mit nun aktualisierten Werten:

Wie man hier sehen kann: Der Akku meines Thinkpads weist nur noch eine 86%ige Kapazität gegenüber dem Neuzustand auf. Das ist noch ein guter Wert – obgleich ich mir bei lediglich 71 Ladezyklen etwas mehr erhofft hatte.
Mit dem Lenovo-Vantage-Programm gelingt ein Kalibrieren also tatsächlich recht einfach und schonend – auch bei Akkus, die man nicht mehr aus dem Laptop entnehmen kann. Allerdings dauert der gesamte Vorgang sehr lange (mehrere Stunden). In ca. ein bis zwei Jahren (ich nutze das Gerät selten) werde ich das Kalibrieren meines ThinkPads erneut durchführen. Natürlich nutze ich auch die Funktion der Schwellenwerte und lade den Laptop meistens nur bis 80% auf – sofern nicht eine längere Zugfahrt ansteht. Mit so einer Strategie schont man den Akku.
Man kann unter Windows den aktuellen Zustand des Akkus übrigens mittels der PowerShell-Konsole x ermitteln, indem man dort Folgendes eingibt und danach Enter drückt:
powercfg /batteryreport
Daraufhin wird eine Datei „battery-report.html“ generiert- bzw. im aktuellen Nutzerverzeichnis abgelegt. Der Pfad dahin wird unter PowerShell auch angezeigt.
x Powershell aufrufen: Windows-Startmenü öffnen, „powershell“ in die Suche eingeben.
Relevant darin sind folgende Werte:
- Design Capacity (mWh)
- Full Charge Capacity (mWh)
- Cycle Count
Diese notiert man sich. Nach dem Kalibrieren mit Vantage erzeugt man eine neue battery-report-Datei und kann vergleichen, ob der Vorgang etwas gebracht hatte.
Vermutlich wird das Kalibrieren mittels (Live-) Windows bzw. mit Vantage auch für Linux-Nutzer einen Nutzen haben, denn ich glaube, hier wird nicht Windows selbst konfiguriert sondern das Batteriemanagementsystem (BMS), welches zwischen Akku und Betriebssystem sitzt. Mit den Schwellenwerten funktioniert es ja auch: Sie fungieren unabhängig vom Betriebssystem bzw. auch dann, wenn das ThinkPad ausgeschaltet ist.