Skripte und Mediencenter steuern

Anleitung: Infrarot-Fernbedienung für den Raspberry Pi einrichten

Seit Jahren nutze ich an meinem Raspberry Pi eine (beliebige / normale) Infrarot-Fernbedienung. Ich möchte auf diesen Komfort nicht mehr verzichten. In dieser Anleitung zeige ich das Installieren und Einrichten unter Raspberry Pi OS Trixie Schritt für Schritt.

Bildmontage: Hand hält Fernbedienung, dahinter Konsolenausgabe vom Raspberry Pi

Ich steuere mit so einer alten TV-Fernbedienung Relais, LED-Lichterketten und mein Mediencenter. Man kann damit praktisch alles per Tastendruck ausführen, was man auch in die Konsole eingeben kann.

Für das Anschließen, Konfigurieren bzw. Einrichten einer ordinären Infrarot-Fernbedienung gibt es im Internet viele Anleitungen. Die meisten sind allerdings zum einen in die Jahre gekommen bzw. beziehen sich auf ältere Raspberry-Pi-Betriebssysteme. Zum anderen sind sie m. E. unnötig kompliziert bzw. verwirrend. Denn offenbar soll dort die kleine angeschlossene IR-Diode auch zum Senden von Signalen genutzt werden. So etwas benötige ich nicht – meine soll Signale von der Fernbedienung nur empfangen. Daher ist meine Anleitung x auch entsprechend einfacher gehalten – wenn auch nicht so kompakt, da ich alle Schritte nacheinander gut darstelle.

x Sie dient auch für mich zum späteren Nachschlagen für eine ggf. erneute Installation.

Meine Anleitung gliedert sich grob in drei Schritte:

  1. Anstöpseln der Infrarot-Diode an die GPIOs des Raspberry
  2. Installieren der kleinen Software ›LIRC‹ (⇾ Linux Infrared Remote Control)
  3. Trainieren der Fernbedienung bzw. das Bekanntmachen von ihr mit dem System
  4. Ansprechen von unterschiedlichen Programmen

Welche Hardware brauche ich?

Wir benötigen jedoch zuvor natürlich noch etwas Zubehör:

Raspberry Pi an Wand montiert mit via Kabeln angeschlossenem Infrarot-Empfänger
Schachtel mit Steckverbindern für die GPIOs vom Raspberry Pi

Zunächst ist dies eine Infrarot-Diode. So etwas ist eigentlich ein Cent-Artikel. Im Handel kostet das Ding meist etwas mehr, wenn man nicht gleich einhundert Stück davon kauft. Wir benötigen eine solche mit drei Beinchen. Zum Anschluss an den Raspberry Pi bzw. an das GPIO-Board benötigen wir ferner drei Steckkabel. Diese werden im Set z. B. als ›Steckbrücken-Kabel‹ verkauft.

Mini-Infrarotfernbedienung vor hellem Hintergrund
einfache Infrarotfernbedienung vor hellem Hintergrund

Und natürlich benötigen wir eine Infrarot-Fernbedienung. Hierzu eignet sich nahezu jede, die man finden kann. Offenbar werden diese Dinger seit den 1980er Jahren technisch unverändert gleich produziert. Es muss aber tatsächlich eine Infrarotfernbedienung sein – und keine Bluetooth-Fernbedienung (z. B. vom FireTV-Stick). Auf welchen Kanälen die Fernbedienung sendet, ist egal: Wir trainieren später die Software – sie empfängt alle Signale.

Man kann übrigens recht einfach ermitteln, ob die (alte) IR-Fernbedienung noch sendet: Man hält sie mit ihrer vorderen Sende-LED einfach vor die Kamera eines Smartphones und drückt einige Tasten. Auf der Smartphone-Live-Kamera-Ansicht müsste die LED der Fernbedienung nun violett leuchten.

Die Handy-Kamera sieht Licht bestimmter Wellenbereiche, wo unsere Augen schon blind sind.

Noch ein Hinweis: Ich habe schlechte Erfahrungen mit diesen flachen Mini-Fernbedienungen gemacht. Eine solche habe ich oben abgebildet. Das sind diese Dinger, die eine 3V-Knopfzelle nutzen und die es häufig zu z. B. LED-Lichterketten und dergleichen dazu gibt. Für den Anfang kann man eine solche natürlich nutzen. Aber die Sendeleistung ist sehr gering (man muss genau zielen) und die Tasten bleiben irgendwann niedergedrückt bzw. sind schnell „platt“. Diese Fernbedienungen sind – im Gegensatz zu denen mit Gummi-Kontakt-Inlay – nicht für den häufigen Gebrauch bestimmt.

➜ Ich nutze eine Nachkauf-Fernbedienung, die eigentlich für die ›Android TV Box X96 Mini‹ gedacht ist und die ca. 6 Euro kostet. Oben habe ich von ihr ein Foto abgebildet. Unten in diesem Beitrag stelle ich für diese Fernbedienung auch die Tastencodes bereit, damit man die dazugehörige conf-Datei nicht selbst erstellen muss.

Soviel zur Hardware. Nun sollten wir aber erste einmal die IR-Diode mit dem Raspberry verdrahten:

Anschluss der Infrarot-Diode an den Raspberry Pi

Die Infrarot-Diode wird einfach mittels den Steck-Kabeln an drei bestimmte Pins des GPIO-Boards angeschlossen:

schematische Darstellung der Verdrahtung einer IR-Diode an den GPIOs an einem Raspberry Pi

Diese Diode hat ja drei Pins:

  • Signalpin (OUT)
  • Stromversorgung: Minus-Pol (GND / Masse)
  • Stromversorgung: Plus-Pol (VCC)

Auf der oberen Abbildung sieht man gut, an welche GPIO-Pins vom Raspberry Pi diese Kontakte angeschlossen werden sollten. Für das Signal nutze ich den GPIO 17. Aber man kann hier auch einen anderen wählen. Meine Anleitung bezieht sich auf diesen. Für die 3,3 Volt bzw. für die Masse (GND) bietet der Raspberry ebenfalls noch einige weitere Pins. Auch diese kann man nutzen, wenn die hier vorgeschlagenen bereits belegt sind. Eine vollständige Darstellung über die Pins (GND, Spannung, GPIOs) findet sich z. B. hier (englisch).

Obacht: Man sollte mittels Beipackzettel der eigenen IR-Diode prüfen, wie die jeweilige Pin-Belegung (Signal, Pluspol, Minuspol) ist. Dies könnte sich von meiner unterscheiden.
Raspberry Pi mit IR-Diode an Wand geschraubt, Kabel und Kabelkanäle daneben montiert
Den IR-Sensor (die Diode) kann man dann beispielsweise so außen am Gehäuse anbringen. Wichtig wäre nur, dass sie Sichtkontakt zur Fernbedienung hat. Eventuell müsste man die Kabel verlängern und sie entsprechend positionieren.

Ansonsten gibt es hierzu nicht mehr zu erklären. Die Verdrahtung ist schnell durchgeführt (die Nummer des Signal-GPIO-Pins merken). Nun sollten wir die Software „LIRC“ installieren:

Installieren und Einrichten der Software LIRC

Das Installieren von LIRC gelingt schnell. Denn dieses Programm ist im offiziellen Repository enthalten.

Hinweis: Falls Sie auf Ihrem Raspberry Pi das Betriebssystem OSMC nutzen (KODI), dann ist LIRC bereits enthalten: Man wählt in der grafischen Oberfläche in den Einstellungen einfach den GPIO-Pin aus, an dem der Signal-Pin der Diode angeschlossen ist und danach das jeweilige Fernbedienungs-Layout.

Die meisten nutzen sicherlich das offizielle Raspberry Pi OS (derzeit auf Basis von Trixie). Dann holen wir uns erst einmal frische Daten auf die Himbeere:

sudo apt-get update

Nun installieren wir das aktuelle LIRC:

sudo apt-get install lirc

Das Programm sollte nun installiert sein. Das reicht aber noch nicht:

System mit LIRC und Diode bekannt machen

Als nächstes öffnen wir mit dem Texteditor ›nano‹ folgende Systemdatei:

sudo nano /etc/lirc/lirc_options.conf

Und hier ändern wir folgende Einträge:

driver = default
device = /dev/lirc0

Bei nano speichert man Änderungen mit STRG + S und verlässt diesen Editor mit STRG + X.


Nun muss noch eine zweite Datei verändert werden. Wir öffnen also wieder mit nano:

sudo nano /boot/firmware/config.txt

Randbemerkung: Bei älteren Raspberry-OS-Versionen lautete dieser Pfad noch /boot/config.txt.

Dort tragen wir Folgendes ein:

dtoverlay=gpio-ir,gpio_pin=17

Falls Sie den Signal-Pin Ihrer Infrarot-Diode nicht an GPIO 17 angeschlossen hatten – sondern woanders – müsste dies hier natürlich entsprechend angepasst werden.

Erste Überprüfung

Nun prüfen wir, ob der LIRC-Service korrekt läuft bzw. führen nacheinander folgende Befehle aus:

sudo systemctl stop lircd.service
sudo systemctl start lircd.service
sudo systemctl status lircd.service

Wir stoppen den Prozess also zunächst. Dann starten wir ihn wieder. Danach rufen wir den Status ab. Hier sollte alles im grünen Bereich sein (Service gestartet).

Jetzt starten wir den Raspberry Pi neu (sudo reboot now).

Gleich werden wir sehen, ob die IR-Fernbedienung erkannt wird: Dafür müssen wir aber erneut den Dienst stoppen: sudo systemctl stop lircd.service

Denn jetzt starten wir ein Testprogramm in der Konsole:

sudo mode2 -d /dev/lirc0

(Zum Stoppen einfach STRG + C zusammen drücken.)

Dieses Testprogramm wird offenbar von LIRC bereit gestellt. Zielen Sie nun mit Ihrer Fernbedienung auf die IR-Diode an Ihrem Raspberry Pi und drücken Sie einige Tasten. Es sollten nun in der Konsole Ausgaben erscheinen (space, pulse, …).

Wenn an dieser Stelle Ausgaben in der Konsole erscheinen, kommuniziert der Raspberry Pi bereits erfolgreich mit Ihrer IR-Fernbedienung. Das ist schon die halbe Miete.

Das funktioniert? Dann führen Sie erneut einen Neustart des Gerätes durch (sudo reboot now). Denn nun müssen wir noch die eigene Fernbedienung bzw. deren Tasten-Codes aufzeichnen und bestimmten Standard-Werten zuweisen:

Tasten-Codes der Fernbedienung auslesen und conf-Datei erstellen

Nun müssen wir die individuellen Codes auslesen, welche jeder Tastendruck auf der Fernbedienung sendet. Jeder Code wird dann einer Taste (einer genormten Tastenbezeichnung) zugeordnet. Hierzu wird eine Conf-Datei erstellt. Aber das muss man nicht manuell machen – Lirc bietet hierfür das kleine Tool irrecord:

sudo irrecord -d /dev/lirc0 /home/pi/meine_fernbedienung.conf

Man ruft es in der Konsole auf. Falls es hier zu Problemen kommt, sollte man ggf. vorher den Lirc-Dienst stoppen (sudo /etc/init.d/lircd stop).

Irrecord macht letzendlich Folgendes:

  • Der Sende-Code jeder Taste wird ausgelesen.
  • Jeder Code wird einer spezifischen Tastenbezeichnung (KEY_RED, KEY_STOP, KEY_2, …) zugeordnet.
  • Mit diesen Daten wird eine meine_fernbedienung.conf-Datei erstellt.

Also los: Man muss leider Englisch können, denn irrecord führt den Benutzer durch verschiedene Stufen. Zunächst wird (via der Diode) das Umgebungslicht gemessen. Es darf nicht zu hell sein. Dann muss man zum Trainieren willkürlich viele Tasten auf der Fernbedienung je für ca. eine Sekunde lang drücken (das dauert etwas).

Den wichtigsten Teil hierbei stellt das Zuordnen der Tastenbezeichnungen dar. Diese sind genormt und es gibt entsprechend sehr viele davon. Irrecord erwartet je eine genaue Bezeichnung je Taste und diese Bezeichnungen findet man z. B. auf dieser Internetseite aufgelistet.

Beispiel:

Wir drücken auf der Fernbedienung die Taste 1. Irrecord realisiert diese Eingabe bzw. liest den Code aus. Kurz danach möchte es eine genaue Bezeichnung und diese lautet laut Liste: KEY_1. So geht man nun Schritt für Schritt vor. Nach jeder KEY-Eingabe drückt man die Enter-Taste und es geht mit dem Auslesen der nächsten Taste weiter.

Am Ende (wenn es keine weiteren Tasten mehr auf der eigenen Fernbedienung gibt), drückt man erneut Enter und irrecord hat nun die Conf-Datei erstellt. Diese befindet sich zunächst im eigenen Nutzer-Verzeichnis z. B. /home/pi/meine_fernbedienung.conf

Diese Datei musste ich jedoch bei Verwendung meiner Diode noch editieren, denn irrecord hatte einige Daten hinzugefügt, die die Funktionalität beeinträchtigten. Wir öffnen nun diese conf-Datei mit Nano:

nano /home/pi/meine_fernbedienung.conf

Ich musste dort die Werte 0xFFFFFFFF in der zweiten Spalte komplett entfernen. Vielleicht spielt dies bei Ihnen keine Rolle. Meine conf-Datei schaut dann so aus:

Inhalt Conf-Datei für Android TV Box X96 Mini Fernbedienung
# Please take the time to finish this file as described in
# https://sourceforge.net/p/lirc-remotes/wiki/Checklist/
# and make it available to others by sending it to
# <lirc@bartelmus.de>
#
# This config file was automatically generated
# using lirc-0.10.2(default) on Wed Jan 14 13:49:36 2026
# Command line used: -d /dev/lirc0 /home/pi/lircd.conf
# Kernel version (uname -r): 6.12.47+rpt-rpi-v8
#
# Remote name (as of config file): X96MiniAndroidFernbedienung
# Brand of remote device, the thing you hold in your hand:
# Remote device model nr:
# Remote device info url:
# Does remote device has a bundled capture device e. g., a
#     usb dongle? :
# For bundled USB devices: usb vendor id, product id
#     and device string (use dmesg or lsusb):
# Type of device controlled
#     (TV, VCR, Audio, DVD, Satellite, Cable, HTPC, ...) :
# Device(s) controlled by this remote:

begin remote

  name  X96MiniAndroidFernbedienung
  bits           32
  flags SPACE_ENC|CONST_LENGTH
  eps            30
  aeps          100

  header       9058  4442
  one           621  1619
  zero          621   512
  ptrail        621
  repeat       9059  2199
  gap          107902
  toggle_bit_mask 0x0
  frequency    38000

      begin codes
          KEY_POWER                0x807F02FD
          KEY_AUDIO                0x807F22DD	#KD-Taste
          KEY_PREVIOUS             0x807FAA55
          KEY_PLAYPAUSE            0x807F5AA5
          KEY_STOP                 0x807F4AB5
          KEY_NEXT                 0x807F2AD5
          KEY_RED                  0x807FC23D
          KEY_GREEN                0x807FF00F
          KEY_VOLUMEDOWN           0x807F08F7
          KEY_VOLUMEUP             0x807F18E7
          KEY_LEFT                 0x807F8A75
          KEY_RIGHT                0x807F0AF5
          KEY_UP                   0x807F6897
          KEY_DOWN                 0x807F58A7
          KEY_ENTER                0x807FC837
          KEY_HOME                 0x807F8877
          KEY_BACK                 0x807F9867
          KEY_CONTEXT_MENU         0x807F32CD
          KEY_INFO                 0x807F00FF	#Maussymbol
          KEY_0                    0x807F807F
          KEY_1                    0x807F728D
          KEY_2                    0x807FB04F
          KEY_3                    0x807F30CF
          KEY_4                    0x807F52AD
          KEY_5                    0x807F906F
          KEY_6                    0x807F10EF
          KEY_7                    0x807F629D
          KEY_8                    0x807FA05F
          KEY_9                    0x807F20DF
          KEY_MUTE                 0x807F827D
          KEY_BACKSPACE            0x807F42BD
      end codes

end remote

Nach Durchsicht wird das Prinzip dahinter sicherlich klarer erscheinen. Wie man sieht, kann man sich darin auch – mit # ausgegraute – Notizen machen.

einfache Infrarotfernbedienung vor hellem Hintergrund
Die oben gelisteten Codes beziehen sich auf meine Fernbedienung für die ›Android X96 Mini‹ TV Box (die recht empfehlenswert ist, da sie nur die nötigsten Tasten besitzt). Bei Ihrer Fernbedienung wurden höchstwahrscheinlich ganz andere Codes ausgelesen.

Nun befindet sich diese conf-Datei noch im Home-Ordner. Da bringt sie uns nichts. Sie muss noch ins System-Verzeichnis von lirc kopiert werden:

sudo cp /home/pi/meine_fernbedienung.conf /etc/lirc/lircd.conf.d/meine_fernbedienung.conf

Der Ablageort für die Fernbedienungsdateien lautet also /etc/lirc/lircd.conf.d/.

Man kann dort übrigens auch mehrere Fernbedienungs-Konfigurationsdateien abspeichern. Man könnte den Raspberry Pi also gleichzeitig mit mehreren Fernbedienungen steuern. Lirc liest beim Neustart alle conf-Dateien in diesem Ordner ein.

Testen der Konfigurationsdatei am lebenden Objekt

Jetzt testen wir, ob die Codes bzw. ob die Konfigurationsdatei korrekt von Lirc berücksichtigt werden. Als erstes muss der Raspberry Pi (wieder einmal) neu gestartet werden:

sudo reboot now

Nun starten wir ein weiteres Hilfsprogramm von Lirc – genannt irw:

irw

Jetzt wartet das Programm auf Eingaben und wir drücken einige Tasten auf der Fernbedienung. Es sollte eine Ausgabe wie folgende erscheinen:

00000000807f8877 00 KEY_HOME X96MiniAndroidFernbedienung
00000000807f8877 01 KEY_HOME X96MiniAndroidFernbedienung
00000000807f08f7 00 KEY_VOLUMEDOWN X96MiniAndroidFernbedienung

Perfekt: irw listet die korrekten Eingaben auf bzw. Lirc hat die Konfigurationsdatei richtig ausgelesen. Sowohl die gedrückten Tasten werden gelistet wie auch der Name der aktuell hierfür genutzten Fernbedienung (beides steht je in der conf-Datei).

Wir beenden irw wieder mit STRG + C.


Zwischenfazit: Lirc liest nun konkrete Befehle der Fernbedienung aus und ordnet jeden Tastendruck einem bestimmten KEY zu. Damit alleine können wir in der Praxis allerdings noch nichts anstellen. Aber das Backend steht. Darum geht es nun noch etwas weiter in meiner Anleitung mit zwei Szenarien:

Kodi mit der Fernbedienung steuern

Montage: Hand hält Fernbedienung, dahinter Raster an Spielfilm-Covern auf dem Kodi-Bildschirm.
Kodi lässt sich am Besten per haptischer Fernbedienung steuern.

Für das Mediencenter Kodi ist eine solche IR-Fernbedienung prädestiniert. Das Steuern von Kodi mit einer Smartphone-App macht kein Vergnügen – nicht zuletzt weil man dort keine haptischen Tasten hat, die fühlbar sind.

Die IR-Fernbedienung kommuniziert ja bereits erfolgreich mit lirc. Davon weiß Kodi allerdings noch nichts. Daher benötigt es eine Hilfsdatei ➜ Lircmap.xml

Diese muss sich im User-Verzeichnis in einem Kodi-Unterordner befinden. Wir erstellen oder öffnen sie am besten mit nano:

nano /home/pi/.kodi/userdata/Lircmap.xml

Der Inhalt sollte diesem Schema folgen:
Screenshot Editor mit Lircmap-Befehlen

Dies ist ein Ausschnitt. Diese Datei sollte natürlich noch weitere Tasten gelistet haben. Ich konnte dies auch nur als Grafik einblenden, da der Editor dieser Seite die Zeichen dummerweise interpretiert.

Ganz oben muss der Name der eigenen Fernbedienung eingetragen werden (wie er in der lirc-conf steht, s. o). Und dann nutzt Kodi interne Bezeichnungen für typische Tasten auf der Fernbedienung. Jeder dieser internen Kodi-Bezeichnung (siehe diese Liste) ist die entsprechende Lirc-Bezeichnung zugeordnet (siehe diese Liste).

Damit müsste es (nach einem Neustart) eigentlich klappen. Da ich kein Kodi mehr nutze, kann ich dies leider derzeit nicht genau prüfen.

Aber jetzt wollen wir endlich Skripte mit der Fernbedienung starten:

Skripte / Befehle per Fernbedienung ausführen

Am Interessanten wäre das Ausführen von Skripten oder Befehlen, die man bereits über die Konsole ausführen kann. Hierzu nutzen wir das mitgelieferte Hilfsprogramm irexec und benötigen dafür noch eine eigene conf-Datei:

Als erstes erstellen wir diese irexec-conf-Datei im Userordner:

nano /home/pi/irexec-befehle.conf

Der Inhalt sieht – als Beispiel – z. B. so aus:

# kleine Lichterkette schalten
begin
button = KEY_POWER
prog = irexec
config = python3 /home/pi/00_Scripte/leds_schalten.py
flags = quit
end

# grosse Lichterkette schalten
begin
button = KEY_RED
prog = irexec
config = python3 /home/pi/00_Scripte/relais1_schalten.py
flags = quit
end

# Musik abspielen
begin
button = KEY_GREEN
prog = irexec
config = mpc play
flags = quit
end

Mit den ersten beiden Blöcken starte ich bestimmte Python-Skripte, die je an einem bestimmten Ort auf meinem Raspberry Pi gespeichert sind. Mit dem dritten Block starte ich den Audioplayer MPD (es ist ein mpd- bzw. mpc-eigener Befehl).

Das Schema sollte klar sein: Man müsste hier für eigene Ansprüche nur die jeweilige Taste ändern (wie in der Lirc-conf hinterlegt) und den eigentlichen Befehl (config-Zeile). Der Rest kann übernommen werden.

➜ Nun starten wir irexec erst einmal manuell über die Konsole zum Testen auf Basis dieser conf-Datei:

irexec /home/pi/irexec-befehle.conf

(Zum Beenden wieder STRG + C drücken.)

Jetzt sollten die Tastenbefehle die zuvor eingetragenen Befehle bzw. Skripte starten!

In meinen Aufzeichnungen finde ich noch diesen Hinweis: Falls sich irexec aufgrund fehlender Zugriffsrechte auf .cache beschwert, müsste man die Berechtigungen anpassen:

sudo chown pi:pi /home/pi/.cache
chmod 700 /home/pi/.cache

Dann sollte es funktionieren. Aber natürlich soll irexec bei jedem Systemstart automatisch starten. Wir wollen dieses Programm ja nicht jedes Mal manuell über die Konsole ausführen. Daher installieren wir irexec als Service bzw. organisieren einen Autostart:

Zunächst erstellen wir eine neue Datei:

sudo nano /etc/systemd/system/irexec.service

Diese füllen wir mit Inhalt:

[Unit]
Description=LIRC IRExec Service
After=network.target

[Service]
ExecStart=/usr/bin/irexec /home/pi/irexec-befehle.conf
WorkingDirectory=/home/pi
User=pi
Environment=HOME=/home/pi
Restart=always

[Install]
WantedBy=multi-user.target

Obacht: Die Zeile ExecStart=/usr/bin/irexec /home/pi/irexec-befehle.conf gibt den Ort der irexec-conf-Datei an. Diese Datei muss dort natürlich existieren bzw. man muss diese Zeile entsprechend anpassen, wenn sich die Datei an einer anderen Stelle befindet oder wenn man sie anders nennen möchte. Und natürlich müsste man als User „pi“ unterwegs sein – ansonsten dies entsprechend ändern.

Nun registrieren wir diesen neuen Service in zwei Schritten:

sudo systemctl daemon-reload
sudo systemctl enable --now irexec.service

Ob dieser Service korrekt läuft, prüft man mit sudo systemctl status irexec.service.

Das war’s. Man könnte anstelle des Dienstes irexec ggf. auch ganz einfach über die crontab starten: @reboot /usr/bin/irexec. Das wäre vielleicht einfacher bzw. nachvollziehbarer und besser zu administrieren.

Und jetzt noch einmal Neustarten.

Nun sollten automatisch die definierten Tasten der Fernbedienung definierte Befehle bzw. Skripte starten.


Ich steuere mit meiner Fernbedienung mehrere Relais bzw. schalte Steckdosen damit. Zudem bediene ich zwei direkt am Raspberry angeschlossene LED-Lichterketten und ich steuere ›MPD‹ (den Audioplayer) damit. So starte ich morgens nach dem Aufwachen noch mit halb geschlossenen Augen via Fernbedienung das Internetradio, nachdem ich zuvor die Steckdose der Anlage und eine der beiden Lichterketten aktiviert habe.

Wer Kodi nutzt, sollte sich Kodi-Send (play (bestimmte datei), stopp, vol+, …) ansehen. Die kurzen Befehle kann man direkt in die irexec-conf-Datei eintragen.

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