Aufwand bzw. Zeit

Datenschutz: Nur etwas für Arbeitslose, Rentner und Studenten

Ein normaler Arbeitnehmer und Familienmensch hat selten die Zeit, sich mit dem Schutz seiner Daten zu befassen. Hierzu müsste man hinter die Kulissen der bunten und einfach zu bedienenden Technik schauen – Und dann ist diese nämlich alles andere als einfach zu benutzen. Im Grunde müsste man sich einen „Datenschutz-Urlaub“ nehmen, um sich entsprechend zu bilden bzw. „aufzuräumen“.

Smartphone liegend mit Illustration diverser Daten, die davon abgehen.

Nicht nur so ein Smartphone stellt eine permanente Datenschleuder dar. Mittlerweile muss man sich sogar vor Saugrobotern unter dem eigenen Wohnzimmertisch in Acht nehmen.

Der normale Nutzer wird sicherlich komplett im Google-, Apple- oder Microsoft-„Ökosystem“ zu Hause sein bzw. nutzt weitere praktische Schnittstellen – wie beispielsweise diverse Amazon-Dienste: Hier ist alles verzahnt, hier versteckt sich komplizierte Technik hinter einer hellen, einfach zu bedienenden Benutzeroberfläche mit wenigen Einstellmöglichkeiten bzw. Hürden, hinter lächelnden Animationen und einer positiven Nutzererfahrung.

Laptops bzw. Smartphones stellen heute tatsächlich sehr benutzerfreundliche Computer dar. Früher war dies ja ganz anders. Dazu gesellen sich diverse „Smart-Home“-Geräte, die simpel eingebunden werden können, ohne dass man sich über die Mechanismen dahinter Gedanken machen muss – aber diese Mechanismen sind nicht selten tiefgreifend.

Die Meisten werden nach dem Kauf eines PCs, Tablets oder Smartphones darauf kaum mehr einrichten als die Zugangsdaten diverser Dienste eingeben – Es wird einem ja regelrecht aufgedrängt. Danach steht schon alles: Kontakte, Adressbücher, Kalender, E-Mails, Cloud: Alles ist sofort verfügbar und personalisiert. So einfach geht das.

Diese Einfachheit hat allerdings ihren Preis.

Natürlich fließen von nun an permanent Daten ab. Dies ist ja kein Geheimnis. Das Sammeln, Analysieren und ggf. Verkaufen dieser personalisierten Daten gehört zum Geschäft vieler Firmen (nicht nur bei Google oder Microsoft). Siehe auch → Welche Daten verlassen regelmäßig ein Android-Smartphone? Diese Daten sind sozusagen Gold wert bzw. sehr wichtig für die Werbebranche (und ggf. für Behörden).

Mir gefällt das alles nicht. Ich fühle mich unwohl mit einem solchen nicht-konfigurierten Windows-Laptop oder Android-Smartphone im je vom Hersteller angedachten Zustand. Ich wünsche mir hier mehr Datenschutz bzw. ruhende Geräte, wenn ich einen entsprechenden Datenaustausch selbst derzeit gar nicht für meine Zwecke benötige.

Die Älteren werden sich vielleicht noch an den kleinen Skandal erinnern: »Windows XP telefoniert nach Hause!« Damals ging es lediglich um minimale Datenpakete:

Was viele insgeheim vermutet haben, aber nicht genau wussten, jetzt scheint es also wahr zu sein. Microsofts Windows XP tauscht Daten mit dem Internet aus, ohne Wissen des Nutzers.

Quelle (Jahr 2002)

Darüber kann man heute ja nur lachen. Den meisten Nutzern ist es mittlerweile offenbar völlig gleichgültig, was für Datenmassen stündlich ihre Geräte verlassen.

In meinem Bekannten- bzw. Freundeskreis gibt es fast niemanden, der sich ernsthaft Gedanken über den Datenschutz macht bzw. darüber, dass man als Nutzer selbst längst zum Produkt geworden ist – indem das eigene Handeln, die eigenen Interessen genauestens protokolliert werden.

Ein Freund von mir hatte sich in unserer Studentenzeit sehr intensiv damit auseinander gesetzt. Nun jedoch ist das Kind da, die Gattin, das Häuschen im Grünen und der Vollzeit-Job. Er kommt gar nicht mehr dazu, sich auch noch mit Datenschutz, tiefergehenden Konfigurationen und dergleichen zu beschäftigen. Natürlich nutzt er heute (wieder) WhatsApp – weil alle es tun und er ansonsten abgebunden wäre. Das ist absolut verständlich.

Für Datenschutz hat man vielleicht als Rentner, Privatier oder Arbeitsloser Zeit – nicht jedoch als normaler Arbeitnehmer.

Bei Google, Apple, Microsoft und dergleichen arbeiten täglich viele (dafür bezahlte) Menschen daran, dass der „digitale Alltag“ möglichst reibungslos funktioniert. Nutzt man jedoch Open-Source-Anwendungen, selber gehostete Dienste, alternative Betriebssysteme und unstabile Software-Alternativen, muss man selbst permanent darauf achten, dass dieses Geflecht nach einem Monat auch noch funktioniert. Die Zeit für die Recherchen und für das Pflegen dieser Systeme haben die Meisten nicht.

Im Grunde wäre es eine Aufgabe der EU, eine datenschutzfreundliche Grundversorgung zu etablieren – ohne Big-Tech-Spionage – welche ohne großen Pflegeaufwand genau so gut funktioniert wie die Systeme der großen (US-) Konzerne. Hierzu gibt es ja bereits entsprechende Bestrebungen. Aber leider ist dieser EU m. E. nicht mehr zu trauen.

Was bleibt einem also übrig? Zumindest sollte man sich einen halben Tag Zeit nehmen, um sämtliche Konfigurations-Menüs der eigenen Geräte durchzugehen und entsprechende Einstellungen genau zu prüfen – insbesondere in den erweiterten Optionen, die sich häufig hinter drei Punkten bzw. Untermenüs verstecken:

Screenshot: Windows Telemetrie-Einstellungen
Beispiel 1: Telemetrie-Einstellungen unter Windows (nicht die einzigen).
Bildschirmfoto: Telemetrie-Einstellungen bei der Google-Sprachausgabe auf Android
Beispiel 2: Telemetrie-Einstellungen bei der Standard-Sprachausgabe (Google) von Android. Kaum ein Nutzer ruft dieses versteckte Menü auf.

Solche „Verbesserungen“ sollte man in den Einstellungen – tief versteckt im System – deaktivieren. Es gibt hier häufig mehrere solcher Einstellungs-Felder bei Betriebssystemen und Programmen. Nachdem ich ein neues Programm bzw. eine neue „App“ installiert habe, gehe ich als erstes sofort alle Punkte in den Einstellungen durch – insbesondere die datenschutzrelevanten.

Fazit: Die meisten Menschen werden einfach keine Zeit dazu haben, sich umfassend mit dem Thema Datenschutz auseinander zu setzen. Ich hatte beispielsweise mehrere Tage damit verbracht, ein alternatives Betriebssystem ohne Google-Dienste auf meinem Smartphone zu installieren, bis es endlich reibungslos lief. So etwas geht nur, wenn man keine Kinder hat oder keine 5-Tage-Arbeitswoche oder lange krank geschrieben ist. Ggf. müsste man sich Datenschutz-Urlaub nehmen.

Für Laien (aber auch für Fortgeschrittene) sei die Artikel-Serie UnplugBigTech vom Mike Kuketz empfohlen:

#UnplugBigTech ist […] eine Artikelserie für alle, die raus wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Im Mittelpunkt steht Orientierung statt Aktionismus: Was bringt wirklich etwas? Wo sind schnelle, sinnvolle Hebel? Welche Kompromisse sind vertretbar – und wo wird es kritisch?

Hier wird auf diverse typische Szenarien eingegangen bzw. es werden datenschutzfreundliche Alternativen zu Programmen und Anbietern gelistet und erklärt. Eine weitere, sehr informative Seite ist das „Privacy-Handbuch„. Dies wäre bereits ein guter Start für den erwähnten „Datenschutz-Urlaub“, den man sich ggf. gönnen sollte anstatt in dieser Zeit zu verreisen.

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